Neues aus dem Freundeskreis Sicilia Antica e Barocco Sapori ed Aromi del Sud 7. – 13. April 2026
Sehr früh ging unser Flug nach Catania los. So waren wir, 16 Teilnehmer der Reise, schon um 11 Uhr in Catania und wurden von dem in der Sonne leuchtenden Ätna begrüßt. Wir wurden von Antonio mit einem angenehm kleinen Bus vom Busunternehmen La Terra abgeholt und nach Ragusa in unsere Pension Villa Del Lauro in der Altstadt gebracht. Die Pension, ein altes Haus mit schönem Steinboden, war frisch restauriert, das Personal sehr zuvorkommend und die Atmosphäre sehr angenehm, leider waren die Zimmer nicht alle gleichermaßen komfortabel. Aber die weniger Glücklichen haben das ohne Murren ertragen. Überhaupt zeichnete die Reise aus, dass die Teilnehmer immer pünktlich waren und stets zugewandt und aufmerksam miteinander umgegangen sind, was vor allem an der Reiseleitung durch Herrn Dr. Peter und Frau Dr. Maubach lag.
Die Reise war außerordentlich abwechslungsreich von Herrn Dr. Peter ausgedacht, jeder Tag ein besonderes kunsthistorisches Highlight und für die Vielfalt Siziliens in der Geschichte vom Altertum bis heute bezeichnend. Wie schon bei der letzten gemeinsamen Reise nach Apulien und Sizilien Reise hat uns Herr Dr. Peter mit seiner Fähigkeit, präzise und zugleich sehr farbig mit seinem breiten Wissen die kunsthistorischen und geschichtlichen Bezüge zu erklären, begeistert. Auch das Kulinarische kam nicht zu kurz. Da wir von Ragusa aus unsere verschiedenen Ziele mit längeren Busreisen erreichten, konnten wir auch die überwiegend landwirtschaftlich genützte Gegend im Osten und Südosten sehen und uns an den vielen Orangen- und Zitronenplantagen freuen.
Am Nachmittag unseres ersten Tages ging es in den anderen Teil der Altstadt von Ragusa, die sich zu beiden Seiten einer Schlucht steil hinaufzieht. Die vielen Treppen hinauf und hinab waren echtes Training (im Übrigen auch in unserer Pension), die Ausblicke immer wieder reizvoll, der Dom mit prächtiger Barockfassade und manche schöne Palazzi haben wir bewundert. In einer Manufaktur eines Karrenmalers zeigte uns der Inhaber sehr dekorativ mit Ornamenten bunt bemalte Karren, die Verkäufer früher für ihre Waren benützten.
Der zweite Tag war den Barockstädten Modica, Scicli und Noto gewidmet. Ein verheerendes Erdbeben im Jahr 1693 hatte alle drei Städte zerstört, sie wurden im Barockstil mit schönen Palazzi und in Modica mit einem prächtigen Dom, der auch durch seine breite Treppe vor der schönen Fassade beeindruckte, aufgebaut. Wir besichtigten in Modica das Schokoladenmuseum, das ganze Museum riecht nach Schokolade, selbst die raumgroße Reliefkarte von Italien war aus Schokolade. Die berühmte Modica-Schokolade wird nur mit Kakao und Rohrzucker nach alten spanisch-aztekischen Rezepten hergestellt und bleibt körnig, weil sie nicht gerührt wird.
Danach fuhren wir nach Scicli, das sich durch besonders eindrucksvolle Barockbalkone mit lustigen und bösen Fratzen auszeichnet. Dort genossen wir ein feines sizilianisches Mittagessen in einem Grottenlokal. Anschließend nach Noto, UNESCO-Weltkulturerbestadt, nach dem Erdbeben nach einem strikten Koordinatensystem aufgebaut.
Der dritte Tag führte uns nach Agrigent, das ehemalige Akragas, ein Highlight griechischer Tempel aus dem 5. Jahrhundert v.Chr. , die besonders gut erhalten sind. Sie wurden auf einem Höhenzug errichtet, nun aber durch ihre Lage unterhalb der heutigen Stadt Agrigent wird die archäologische Zone als das Tal der Tempel bezeichnet. Auch hier waren wir wieder begünstigt durch das schöne Wetter, die dorischen Tempel strahlten in südlichem Licht. Besonders gut erhalten ist der sog. Concordiatempel, der Ende des 6. Jahrhunderts n.Chr. in eine christliche Basilika umgewandelt und erst im 18. Jahrhundert wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt wurde.
Dann ein leckeres Picnic im antiken Kolimbethra-Garten in der Nähe des Tempelbereichs, unter blühenden und intensiv duftenden Zitronen- und Orangenbäumen. Im Archäologischen Museum bestaunten wir noch eine gigantische Telamonen Statue, ca. 8m hoch, diese Statuen stützten ehemals den Zeustempel.
Am vierten Tag schloss sich Syrakus an, zuerst auch wieder die Zona Archäologica mit dem Altar Hierons II., von dem nur noch der aus dem Fels gehauene Teil übrig ist, und mit den antiken Steinbrüchen. Durch die Steinbrüche sind große Grotten entstanden, besonders großartig die künstliche Grotte „Das Ohr des Dyonysios“, 23 m hoch, 65 m lang, das diesen Namen wegen des Erscheinungsbilds und des Phänomens , dass sich der Schall angeblich 42fach in der Grotte verstärkt, erhielt. Scharen von Schulkindern probierten begeistert dieses Phänomen aus.
Im griechischen Theater aus dem 5. Jh. v.Chr. las uns, wir saßen oberhalb in einer schattigen kleinen Grotte, Marianne Maubach „Die Bürgschaft“ von Schiller sehr stimmungsvoll vor, viele Erinnerungen waren für alle daran geknüpft.
Danach Einkehr in einem urigen Fischlokal im Markt in der Altstadt Ortigia von Syrakus.
Capuccino und Gelato konnten wir uns in einer nahegelegenen Bar auf der Zunge zergehen lassen. Mit den Erläuterungen von Herrn Peter über die Jahrhunderte alte Tradition der Eiskultur in Sizilien, früher ermöglicht durch den Schnee am Ätna, und jetzt verfeinert durch die unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen und Herstellungsarten hatten wir das Glück viele Male Eis, auch in Form von Granita, zu genießen. So gestärkt liefen wir durch eine malerische Straße in der Altstadt Ortigia zur Kathedrale von Syrakus, in der in den Außenmauern noch sichtbar die dorischen Säulen eines Tempels eingebaut sind. Die durch das Erdbeben 1693 beschädigte Fassade wurde im Stil des sizilianischen Barocks errichtet, im Innenraum überwiegt der Charakter einer Basilika aus der normannischen Zeit. Am Ende noch ein Abstecher zur Arethusaquelle, eine Süßwasserquelle nur wenige Meter vom Meer entfernt. Hier wachsen wild Papyrusstauden.
Dann noch am fünften Tag ein ganz neues Thema: Die vorzüglich erhaltenen Mosaiken der Villa Romana del Casale in der Nähe der Stadt Piazza Armerina. Sie stammt aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. Für wen sie erbaut wurde, ist umstritten, es überwiegt die Meinung, dass sie von einem reichen römischen Patrizier errichtet wurde. Der Zugang zum erstaunlich gut erhaltenenAnwesen führt durch einen Ehrenbogen, anschließend sieht man Wasserbecken und eine halbkreisförmige Latrine. Danach verschiedene Räume mit geometrischen Mustern und Räume mit großartigen Mosaiken, die Jagdszenen mit fein gestalteten Tieren und Bäumen, den Transport eines Elefanten auf einem Schiff darstellen oder ein Raum, in dem Polyphem in seiner Höhle mit Schafen und Odysseus mit seinen Gefährten mit einer großen Schale Wein gezeigt ist, und natürlich der Raum mit den bekannten „Bikinimädchen“, nicht von der gleichen Qualität wie die Szenen in den anderen Räumen, sie zeigen wohl auch nicht ein Abbild der damaligen Zeit.
Nach einem vorzüglichem Pranzo in einem Agrotourismo Fahrt zur Keramikmetropole Caltagirone. Erst skeptisch, aber dann sehr vergnügt fuhren wir in einem Zug mit sizilianischer Musik. Er führte uns durch die engen und zum Teil steilen Gassen der Altstadt. Pause vor der berühmten großartigen Treppe mit 142 Stufen, alle Stufen mit verschiedenen sehr kunstvoll ausgeführten Keramikkacheln auf der Vorderseite, die zur Besteigung herausforderten.
Am Sonntag, dem vorletzten Tag unserer Reise musste erst die schlechte Nachricht verarbeitet werden, dass die Piloten der Lufthansa am Tag unseres Rückflugs streiken würden und unser Rückflug somit ausfiel. Herr Dr. Peter versuchte Ersatzflüge zu finden, wir hatten am Morgen Zeit, noch einmal durch Ragusa zu streifen, danach gab es selbst gemachte Nudeln und Ravioli in unserer Pension und einen Ausflug mit Taxis zu einem Herrenhaus, das sich wie in dem Roman von Lampedusa „Donnafugata“ nennt und in dem alte Kostüme und viele Räume mit alten Möbeln zu besichtigen war. Abends saßen wir noch bei Rotwein der Region in fröhlicher Runde beisammen.
Früh morgens ging es los mit dem Bus nach Catania. Auf der Fahrt las uns Herr Dr. Peter noch eine Erzählung von Luigi Pirandello voller Witz und Lebensnähe vor. Hier teilte sich die Gruppe blieb in Catania, um dann nach Palermo mit dem Zug zu fahren und dort noch einige Tage zu verbringen, der andere Teil der Gruppe hoffte auf einen Rückflug mit einem Billigflieger einer ungarischen Fluggesellschaft, was leider nur für vier von uns funktionierte, für die anderen nicht, weil die Buchung nicht für alle geklappt hatte. So fuhren wir mit einem Großraumtaxi mit einem tüchtigen Fahrer von Catania nach Rom und erreichten dort noch glücklicherweise abends den Flixbus nach München. So fand trotz des Streiks der Lufthansa die schöne Reise noch einen guten Abschluss.
Constanze Angerer