Das Leitungsteam in Ingolstadt: Hans-Joachim König, Brigitte König, Marianne Maubacinfo Icon© Das Leitungsteam in Ingolstadt: Hans-Joachim König, Brigitte König, Marianne Maubach, Foto: fk_archiv

Neues aus dem Freundeskreis Zauberhaftes Ingolstadt: Der Bayerntag 2021

Seit fast 40 Jahren präsentiert der Freundeskreis beim „Bayerntag“ seinen Mitgliedern Bayerns schönste Städte mit ihren Besonderheiten und historischen Prägungen. Die örtlichen Freundeskreise sind Gastgeber und laden zu Kulturprogramm und Austausch ein. In diesem Jahr konnte der Bayerntag erstmals in der Geschichte des Freundeskreises nur online stattfinden – und dennoch war es ein gelungener und bereichernder Bayerntag, der großes Interesse für die gastgebende Stadt Ingolstadt weckte. Dass das gelang, ist vor allem dem klug gewählten und spannenden Vortragsprogramm des Ingolstädter Teams zu verdanken.

 

Seit fast 40 Jahren präsentiert der Freundeskreis beim „Bayerntag“ seinen Mitgliedern Bayerns schönste Städte mit ihren Besonderheiten und historischen Prägungen. Die örtlichen Freundeskreise sind Gastgeber und laden zu Kulturprogramm und Austausch ein. In diesem Jahr konnte der Bayerntag erstmals in der Geschichte des Freundeskreises nur online stattfinden – und dennoch war es ein gelungener und bereichernder Bayerntag, der großes Interesse für die gastgebende Stadt Ingolstadt weckte. Dass das gelang, ist vor allem dem klug gewählten und spannenden Vortragsprogramm des Ingolstädter Teams zu verdanken.

„Den unvermuteten Zauber einer altbayerischen Stadt“ wollte der Bayerntag in Ingolstadt vermitteln und das einseitige Bild von Autostadt und Raffineriezentrum korrigieren. Dabei stand das gastgebende Team vor einer schwierigen Aufgabe: Die ursprüngliche Planung hatte vorgesehen, mit einem vielfältigen Besichtigungsprogramm die traditionsreiche Herzogsresidenz und den Sitz der ersten bayerischen Landesuniversität vorzustellen. Ingolstadt ist außerdem die Stadt der Gegenreformation und Geburtsstadt der Schriftstellerin Marieluise Fleißer. Und schließlich ist Ingolstadt nicht nur moderne, wirtschaftlich dynamische Stadt, sondern auch vielseitiges Kulturzentrum. Wie kann dieser „unvermutete Zauber einer altbayerischen Stadt“ virtuell an nur einem Nachmittag und ohne Besichtigungsprogramm vor Ort vermittelt werden?

Drei Vorträge lösten diesen Anspruch ein. Sie vermittelten exemplarisch weniger bekannte, aber unverzichtbar zur Stadt gehörende Besonderheiten Ingolstadts: der Historiker Prof. Dr. Hans-Joachim König sprach über die erste bayerische Landesuniversität nicht nur als Zentrum der Gegenreformation, die Medizinerin Dr. Marianne Maubach über die „Alte Anatomie“ und die Literaturwissenschaftlerin Dr. Brigitte König über die Schriftstellerin Marieluise Fleißer.

Seit dem Zeitalter der Reformation hatten Ingolstadt und seine Universität als Bollwerk des Katholizismus mit dem Theologen und Universitätsprofessor Johannes Eck als Mittelpunkt und Hauptakteur gegen Luther gegolten. Doch das ist nicht das ganze Bild. Dass die 1472 gegründete Universität – übrigens die Vorläuferin der LMU München – bis zu ihrem Umzug nach Landshut (1800) und dann nach München (1826) nicht nur katholische Theologen , sondern auch berühmte Historiker, Kartografen und Astronomen zu bieten hatte und wie aus dem intoleranten Umgang der Universität mit der neuen Lehre eine durch ihre Protestschreiben anerkannte Reformatorin, Argula von Grumbach, erwuchs, und wie Ingolstadt erst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts auch evangelisch wurde, diesen spannenden Prozess schilderte Hans-Joachim König anschaulich in seinem Vortrag.

Beim Vortrag der Medizinerin Marianne Maubach zur Geschichte der „Alten Anatomie“ wären wohl alle Zuhörenden am liebsten sofort nach Ingolstadt zur Besichtigung aufgebrochen. Der barocke, schlossartige Bau (Bild) war einst ein Universitätsinstitut, ausgestattet mit einem beeindruckenden Anatomiesaal mit barockem Deckenfresko. Seit 1973 birgt das Gebäude das Deutsche Medizinhistorische Museum und dokumentiert die Geschichte der Medizin von der Antike bis zur Gegenwart mit einer der größten medizinhistorischen Sammlung im deutschen Sprachraum. Marianne Maubach schilderte in ihrem Vortrag, wie die Universität sich im Zeitalter der Aufklärung den dogmatischen Fesseln zu entziehen versuchte und sich der Schwerpunkt von der theologischen zur medizinischen Fakultät verlagerte. Für diese wurde ab 1723 ein neues Fakultätsgebäude für die Experimente der Anatomen errichtet, eben jene „Alte Anatomie“. Auch ein botanischer Garten für Medizinheilkunde wurde angelegt.

„Ihre Texte garantieren besondere Leseerlebnisse“, versprach Literaturwissenschaftlerin Brigitte König in ihrem Vortrag über die in Ingolstadt geborene Schriftstellerin Marieluise Fleißer. „Verachtet mir die Fleißer nicht!“ mahnte 1928 ein Berliner Kritiker nach der Uraufführung des Theaterstücks Pioniere in Ingolstadt, verfasst von der 1901 in Ingolstadt geborenen Schriftstellerin. Sie begann eine vielversprechende Karriere, wurde – auch auf Grund besonderer Lebensumstände – ausgebremst, in ihrer Heimatstadt angefeindet und nach dem Krieg zunächst ignoriert, bevor Ingolstadt und die Bundesrepublik den Wert ihrer Bürgerin erkannten und eine Wiedergutmachung starteten. Im Marieluise Fleißer-Museum, das in ihrem Elternhaus eingerichtet wurde, kann man die Lebensgeschichte der „Fleißerin“ und ihr literarisches Wirken nun nachvollziehen.

„Mit den Appetithappen Lust auf mehr zu machen“ war die Hoffnung des Ingolstädter Teams, als sie das Vortragsprogramm für diesen virtuellen Bayerntag konzipierten. Dass diese Hoffnung erfüllt wurde, beweisen die Reaktionen der Teilnehmenden: „Ganz herzlich wollen wir uns bei den drei Vortragenden bedanken. Sie haben unser großes Interesse für Ingolstadt geweckt.“ Und die begeisterten Zuhörenden versprachen, „nach dieser tollen Werbung“ alsbald nach Ingolstadt zu fahren.

Der Online-Bayerntag war ein Erfolg: auch unter erschwerten Bedingungen präsentierte er ideenreich und ansprechend die Besonderheiten und historischen Prägungen einer bayerischen Stadt. Und er war eine Werbung für den Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing, der auch in der Pandemie nicht unsichtbar ist, sondern unbeirrt weiter für Kultur, Bildung und Diskurs sorgt. In seiner Grußbotschaft zum Bayerntag hatte Akademiedirektor Udo Hahn die Mitglieder des Freundeskreises als „Botschafterinnen und Botschafter der Akademie“ bezeichnet. Trotz des erfolgreichen virtuellen Bayerntages will der Freundeskreis zukünftig dieser Aufgabe vorzugsweise wieder bei Präsenztreffen und in persönlichen Begegnungen nachkommen.

Brigitte Grande, 1.Vorsitzende des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Tutzing e.V.