Bild Zivilgesellschaft unter Druckinfo Icon© Gerd F. Thomae

Neues aus dem Freundeskreis Zivilgesellschaft unter Druck

„‘Heimat‘ in Gefahr? – Wie rechte Akteure Begriffe und Alltagsräume politisch besetzen“, so lautete der Vortrag von Dr. Daniela Sandner vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege für den Freundeskreis in Kaufbeuren. Lesen Sie hier den Bericht von Gerd F. Thomae.

Der Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing und der Kaufbeurer Heimatverein hatten Dr. Daniela Sandner vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege eingeladen, über dieses brisante Thema zu sprechen.  Der rege Besuch zeigte die hohe Sensibilität für das Thema – und das damit verbundene Interesse.

„Wer definiert Heimat“? Mit dieser Frage eröffnete die Referentin einen höchst informativen Abend. Der Begriff der „Heimat“ wird zunächst emotional wahrgenommen, ist geprägt durch Orte, Erinnerungen, Sprache, Landschaften und Menschen. Heimatgefühl kann wachsen, es hängt nicht nur vom „Hineingeboren-Sein“ ab. Aber: Der Begriff kann auch politisch besetzt werden. Genau das tun rechte „Aktivisten“, auch nach dem Motto: „Das ist unsere Heimat – Du gehörst nicht dazu!“ Oder, wie es die AfD auf ihren Wahlplakaten formuliert hat: „Der Islam gehört nicht zu Bayern!“

Unsere gewohnte Umgebung – unsere Heimat – verändert sich. Oft können die Bürgerinnen und Bürger nur begrenzt oder kaum darauf Einfluss nehmen. Dies führt zu Verärgerung und Verunsicherung. Reale Erfahrungen von Veränderung können dabei politisch umgedeutet werden.  Aus „Mein Ort verändert sich“ wird: „Unsere Heimat wird uns genommen.“ Aus dieser Unsicherheit entsteht die Frage: „Wer ist schuld?“

Im Verlauf des Abends zeigte Frau Dr. Sandner auf, wie Begriffe wie Heimatliebe, Heimatverbundenheit, regionale Verwurzelung oder auch Denkmalschutz subtil, Schritt für Schritt mit neuen, rechten Inhalten gefüllt werden. Das gipfelt dann in einer Adaption eines berühmten Satzes von John F. Kennedy aus seiner Rede zur Amtseinführung durch die „Junge Alternative“ in Sachsen: „Und, was tust du für deine Heimat?“

Für Vereine besteht die Gefahr weniger darin, dass eine pauschale Unterwanderung von extremistischer Seite stattfindet. Vielmehr versuchen vor allem einzelne Personen, durch besonderen Einsatz Vertrauen aufzubauen und so ihre Gedanken und Ansichten zu verbreiten.

In der anschließenden, sehr lebhaften und immer sachlichen Diskussion wurden in zahlreichen Beiträgen die Aussagen der Referentin bestätigt bzw. präzisiert. Aber auch die Verunsicherung durch die Veränderungen waren ein Thema: So wird die Arrows-Stationierung einerseits als Bedrohung der Heimat empfunden, andererseits aber auch verstanden, dass die „Heimat Deutschland“ den Schutz durch diese Stationierung benötigt.

Langanhaltender Beifall zeigte, dass Dr. Sandner mit ihrem Vortrag einen Nerv getroffen hat. Und: Es wurde an diesem Abend noch eine Einladung zu einem Vortrag in Buchloe ausgesprochen.

Fazit: Frau Dr. Sandner einzuladen wäre für jeden örtlichen Freundeskreis ein Gewinn!

 

Gerd F. Thomae ist Leiter des örtlichen Freundeskreises in Kaufbeuren.